Goldschmiedekunst auf der
Art & Antique in der Wiener Hofburg

Mitte November verwandelt sich die prachtvolle Hofburg in Wien jährlich in ein glanzvolles Forum für Kunst, Antiquitäten und Design.
Seit über fünf Jahrzehnten zählt die ART&ANTIQUE HOFBURG Vienna zu den Fixpunkten des Wiener Kunstherbstes – ein Ort, an dem internationale Exklusivität, künstlerische Vielfalt und historische Atmosphäre zu einem einzigartigen Kulturerlebnis verschmelzen.
Rund drei Dutzend nationale und internationale Galerien präsentieren Meisterwerke von höchster Strahlkraft – von Alten Meistern über erlesenen Schmuck und Design bis hin zu zeitgenössischer Kunst.
2025 durfte ich hier erstmals ausstellen.
Schon beim ersten Blick auf meine fertigen Vitrinen und meine stundenlang freihändig an die Wand vergoldete Himmelsleiter spürte ich, dass hier kein reiner Verkauf stattfinden würde, sondern ein Austausch.
Darüber wer ich als Goldschmiedin bin und was ich heute suche und welche Träume ich sichtbar mache.
Wer an meinen Stand kam, lernte mich als Goldschmiedin kennen, die Geschichten schafft – poetische Schmuckarbeiten mit handwerklicher Präzision und erzählerischer Leichtigkeit.








Die Art&Antique öffnet einen Raum, in dem Handwerk nicht als Antiquariat, sondern als lebendige Kunstform präsentiert wird. Sammlerleidenschaft liegt ständig in der Luft.
Die Besucherinnen und Besucher kommen mit Augen, die nicht nur den Preis sehen, sondern die Geschichte dahinter hören möchten.
Warum ein bestimmter Schliff? Woher kommt die Wärme eines Goldlichttons, der nicht einfach goldfarben, sondern wirklich lebendig wirkt? Gehen meinen Arbeiten Zeichnungen voran? Was bedeutet Einzelstück?
Mein Stand war ein Spiegel meiner Haltung: klar und offen, mit einer Handvoll Objekten, die Vielfalt im Fokus hatten. Da gab es Alt-Schliffe, die sanft das Licht fangen und in der Haut der Trägerin eine ruhige Strahlkraft erzeugen; daneben Neuschliffe, die das klassische Handwerk neu interpretieren, ohne die Herkunft zu verleugnen. Raubvögel fürs Ohr, süffige gelbe Südseeperlen unter Goldblättern für die Ohren. Scharze Diamanten mit ziselierten Goldelementen. Flügelförmige Keshiperlen, die sich wie ein eleganter Renaissance-Kragen an den Hals schmiegen.
Ein besonderes Erlebnis war der Austausch mit einer Besucherin, die von Jugend an Diamanten sammelt, aber nun nach einer neuen Sprache für ihr Lieblingsstück sucht. Wir sprachen über Proportionen, Farbnuancen, das Wechselspiel von Schliff und Kalotte, wie das Licht durch den Stein tanzt und sich auf der Haut widerspiegelt. Es war kein Verkaufsgespräch im herkömmlichen Sinn, sondern ein gemeinsames Suchen nach einer Form, die nicht nur sieht, sondern sich anfühlt – eine Form, die Geschichten trägt, ohne laut zu schreien.
Welche Linie folgt der Kerbe der Zeit, welche wird heute gebraucht, um einen neuen Charakter zu formen?
Es waren oft kurze Begegnungen, kleine Gespräche, die mir bestätigten, dass ich auf dem richtigen Weg bin.Der Dialog mit den Kunsthändlern rund um mich herum machte mir besonders Spaß.Es ist ein wunderbares Gefühl, sich in dieser Gemeinschaft von Beiträgerinnen und Beiträgern zu befinden, die nicht konkurrieren, sondern sich gegenseitig ergänzen und einander kollegial unterstützen.
Zurück in meinem Münchner Atelier hallt der Klang der Messe wieder.Ich finde schnell wieder meinen eigenen Rhythmus: der Rhythmus der Hand, die arbeitet, der Rhythmus des Blicks, der Neues sucht, der Rhythmus der Verantwortung gegenüber dem Stein, dem Gold und dem Menschen, der ihn tragen wird.
Danke Wien!
Daß ich als Goldschmiedin in meiner Heimatstadt verblüffend neu angekommen durfte!








